Was ist die Ursache?

Die Futtermittelallergie ist nach der Atopischen Dermatitis und der Flohbissallergie die dritthäufigste Allergie bei Hunden und Katzen. Sie kommt etwa 10x weniger häufig vor als die atopische Dermatitis.
Futtermittelallergien sind bedingt durch eine Überempfindlichkeitsreaktion bei der das Immunsystem auf normale Futtermittelbestandteile („Allergene“) reagiert. Die Allergie wird ausgelöst, in dem nicht vollständig verdaute Eiweisse in grösseren Mengen die Darmwand passieren und anschliessend eine allergische Reaktion hervorrufen. Darmentzündungen und –infektionen können die Durchlässigkeit der Darmwand erhöhen und so Allergien begünstigen.

Welche Tiere sind betroffen?

Labrador Retriever, Golden Retriever, Cocker Spaniels, Deutsche Schäferhunde, Boxer, Shar Peis und Irish Setter leiden häufiger unter Futtermittelallergien. Aber auch alle andern Rassen inkl. Mischlingshunde können daran erkranken. Bei den Katzen kennt man keine Rassenprädispositionen.

Welches sind die häufigsten Futtermittelallergene?

Allergene, die Futtermittelallergien auslösen, sind fast ausschliesslich Proteine (Eiweisse) oder Proteinverbindungen (Glycoproteine), in seltenen Fällen Kohlenhydrate (Zucker). Allergien auf Konservierungsstoffe kommen nur in den seltensten Fällen vor. Prinzipiell kann jedes Eiweiß im Futter zu einer allergischen Reaktionen führen. Je häufiger es aufgenommen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Sensibilisierung und einer - oft erst nach Jahren - auftretenden allergischen Reaktion. Hunde und Katzen jeder Altersklasse können eine Futtermittelallergie entwickeln – selbst auf Futter, das sie seit Jahren fressen. Mehrere Studien zeigen, dass die häufigsten Allergieauslöser beim Hund Rind, Lamm, Huhn, Eier, Milch/Milchprodukte, Weizen, Soja, Schwein und Mais. Fisch und Reis sind eher seltene Allergieauslöser. Bei Katzen lösten in mehr als 80% der Fälle Rind, Milchprodukte und Fisch die allergischen Reaktionen aus.

Wie sieht das Krankheitsbild aus?

Die Futtermittelallergie kann sich als reines Hautproblem (Juckreiz, Hautrötung, Hautentzündungen), als chronisches Magendarmproblem (Erbrechen, Durchfall, Flatulenz) oder als eine Kombination von beidem äussern.
Klinisch können Futtermittelallergien und atopische Dermatitis nicht voneinander unterschieden werden. Das heisst: analog der Hunde mit Atopie zeigen auch Hunde mit Futtermittelallergien Symptome wie Kratzen, Lecken, Kauen, Reiben und Beissen an Pfoten, Gesicht, Ohren, Armbeugen, Achseln, Hals, Bauch und im Analbereich. Dies führt zu Haarausfall, sowie geröteter, offener und verdickter Haut. Auch Ohrenentzündungen können ein Symptom der Futtermittelallergie sein. Folgeinfektionen mit Hefepilzen und Bakterien sind ebenfalls häufig.

Allergie JuckreizStarker Juckreiz, Haarausfall und Hefepilzinfektion der Haut bei einem allergischen Deutschen Schäferhund.

 

Allergie Hund nach DiaetDer gleiche Hund wie oben nach 8 Wochen Eliminationsdiät und Therapie der Hefepilzinfektion.

 

Bei Katzen mit Futtermittelallergie sind ebenfalls die gleichen Symptome wie bei atopischer Dermatitis zu sehen. Das heisst, es kommt häufig zu selbstzugefügten Wunden meistens im Kopf- und Halsbereich, oder zum Auslecken von Fell im Bauch- und Flankenbereich, ohne dass es dabei zwingend zu Hautverletzungen kommt.

Allergie Katze 3Rötung und aufgekratzte Haut im Schläfenbereich bei einer allergischen Katze.

 

Allergie KatzeAusgelecktes Fell am Bauch einer allergischen Katze ohne weitere Hautveränderungen.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Für die Diagnose einer Futtermittelallergie müssen zuerst infektiöse Hauterkrankungen wie z.B. Milben, Pilzinfektionen, bakterielle Infektionen und andere Parasiten (z.B. Flöhe) ausgeschlossen werden.
Die definitive Diagnose einer Futtermittelallergie kann nur mittels einer Ausschlussdiät (eine sogannnte Eliminationsdiät) über 8 – 12 Wochen und anschliessender Provokation mit dem alten Futtermittel gestellt werden. Diese Diät sollte möglichst nur aus einer Proteinquelle und einer Kohlehydratquelle bestehen und das Tier darf diese Futtermittel in der Vergangenheit noch nie gefressen haben. Dafür eignen sich verschiedene kommerzielle Diätfuttermittel oder eine hausgekochte Diät. Damit eine Futtermittelallergie diagnostiziert werden kann, ist es äusserst wichtig, dass das Tier während der Diätphase keine anderen Nahrungsmittel aufnimmt (auch keine Kau­knochen, geschmacksverstärkte Tabletten, Vitamine, Hundeguetzli, Tischreste usw.). Katzen sollten wenn immer möglich während der Diätphase keinen Freilauf haben, damit z.B. die unkontrollierte Futteraufnahme bei Nachbarn unterbunden werden kann. In Haushalten mit mehr als einem Tier ist es in der Regel am einfachsten, sämtliche Tiere auf Diät zu setzen und so einer Diätverletzung vorzubeugen. Nur wenige Milligramm des allergieauslösenden Futtermittels reichen, dass die Symptome erhalten bleiben.
Wenn die Symptome unter der Diät abheilen, wird das Tier mit den vorherigen Futtermitteln provoziert. Treten die Symptome innerhalb von maximal 14 Tagen wieder auf, ist die Diagnose „Futtermittelallergie“ gesichert.

Wieso nicht ein Bluttest?

Einige Labors bieten Bluttests zur Bestimmung von Futtermittelallergien bei Hund und Katze an. Diese Tests sind bis heute leider ungenau und sehr unzuverlässig. Es bleibt deshalb für die sichere Diagnose nur die Eliminationsdiät mit anschliessender Provokation.

Mein Tier hat eine Futtermittelallergie, was nun?

Ist eine Futtermittelallergie diagnostiziert worden, ist die beste Therapie die völlige Vermeidung der auslösenden Allergene. Das bedeutet entweder eine lebenslange Weiterführung der Eliminationsdiät oder aber die genauere Analyse der Eiweiss- bzw. Kohlehydratquellen, die für die Allergiesymptome zuständig sind. Im letzteren Fall werden dem Tier Eiweissquellen einzeln eine nach der anderen zur Diät zugefüttert und die klinischen Symptome beobachtet. Die Zeitspanne bis zum Auftreten der Symptome ist aus der Provokationsphase bekannt. Diese Zeitspanne gilt als Anhaltspunkt für die Dauer der Einzelprovokation. Sind die Eiweissquellen bekannt, können sie vermieden werden und das Tier bleibt symptomenfrei.